ELoH / Tag #35

Heute ging’s mit der Bahn wieder auf Deutschlandreise. Drei Stunden Zweiundfünfzig Minuten, in Zahlen 3 Stunden 52 Minuten bzw. 3:52 Std. Das ist die planmäßige Fahrzeit. Sagt mit das Papier, das ich gerade vom Fahrkartenautomaten geholt habe, nachdem ich es beim ersten Anlauf, d. h. Beim Fahrkartenkauf vergessen habe. 20 Minuten zum Umsteigen. Das sind immerhin mehr als 5 und nicht mehr als 30 Minuten, denk ich mir, sollte klappen, und steige die Stufen zum Bahnsteig empor. Der Zug wird angekündigt, ein IC übrigens, fährt fast 5 Minuten später erst ein und dann aber nach Fahrplan pünktlich los. Im Waggon ist es warm. War da nicht was? BAHN / IC / ICE / KLIMAANLAGE? Es ist ja auch warm draußen, über 20°C in der Sonne – im Abteil sicherlich an die 30°C denn ich sitze und schwitze 😉 Kurz darauf musste ich schmunzeln, nein, nicht weil die Fahrkarten unmittelbar kontrolliert wurden, sondern weil ein Fahrgast gerade heraus fragte, ob die Klimaanlage defekt sei. Ja, sagte daraufhin die Kontrolleurin, es fühle sich so an, sie sei leider noch nicht durch das Abteil durch und werde gleich auf der anderen Seite nach dem Rechten schauen, falls möglich die Anlage wieder in Betrieb nehmen. Da bin ich leicht beeindruckt und frage mich, ob die Gute Knöpfe drückt oder ob sie handgreiflich (im Sinne von handwerklich) wird. Vielleicht hat die Bahn Handwerker angestellt, passend zu dem Problemen mit den Klimaanlagen. Obendrein sind das erfahrene Dienstleister. Die sind nicht nur nett zu den Kunden, sondern haben was auf dem Kasten. Naja, Spaß beiseite. Nach einer gefühlten Unendlichkeit kam die Handwerkerin dann am Ende des Waggons an und zwei weitere unendliche Endlichkeiten später pustete die Maschine dann frische Luft in den Waggon. Wenngleich die Luft erst wesentlich später angenehmer wurde. Nach zwei außerplanmäßigen Halten und viel Geklingel in den Lautsprechern hatte der IC dann insgesamt über 20 Minuten Verspätung angesammelt. Wie mein Herz vor Freude jauchzte und Luftsprünge vollführte! Nein, ich hatte keinen Herzkasper, aber Verspätung ist eben typisch für die Bahn – keine Ahnung, warum deren Statistik sagt, die Züge seien zu 98% pünktlich! Ich fahr wohl immer mit den 2 Prozent 😉 Kurzum: Ich hab den Anschlusszug aufgrund von 40 Minuten Verspätung verpasst und den darauf folgenden auch gerade nur so erreicht.

Jetzt wird’s knifflig. Der Zug teilt sich in einem Ort, das Spiel kenn ich, aber ich muss ja auch in den Richtigen und auf Umsteigen habe ich keine Lust mehr. Ich hab mich dann zu einer netten jungen Dame gesetzt, die gut was zu schleppen hatte. Ein Sitz war von zwei Handtaschen blockiert, auf dem anderen saß sie und in dem Bereich zwischen mir und ihr ihr Trolley und ich hab sicherlich was vergessen. Ich setzte mich ihr also gegenüber. Ob ich sie wohl bitten könnte, ihr Handy für einen Anruf zu benutzen? Zuvor aber große Aufregung: die Türen schließen, der Zug fährt los und prompt rufen die drei queerligen Jungs: Wohin fährt der Zug eigentlich? Und nicht gerade wenige Fahrgäste antworten. Und die Jungs sind im falschen Zug. Ach herrje! Sie wollten doch woanders hin. Drei Stationen weiter sind sie dann ausgestiegen. Ich hoffe sie kommen heute noch an, wo sie hin wollten, wo auch immer das ist. Die entspannte, spaßige Situation hab ich dann genutzt um mich nach einer möglichen Handynutzung zu erkundigen. Ich blicke in ein fassungsloses Gesicht, ich stotter und erkläre, ich kam grad aus nem IC mit 40 Minuten Verspätung, ja und ich besäß kein Handy, hätte aber die Nummer, irgendwo, also in einem schlauen Büchlein, wo auch immer das gerade sei; plapper ich und wühle in meiner Tasche. Sie lächelt erklärt sich einverstanden. Ich wühle noch und meine, ich könnte ihr was dafür geben, so sei ich ja nicht, doch sie meint, es wär auch in Ordnung so. Ich hab mein Notizbuch gefunden und wähle die Handynummer. Unheimlich, wie gewohnt ich das Gerät bediene. Während das, wie heisst das, Wartezeichen – ich mein das tuuuten – also während das erklingt, überlege ich (1) wie ich mich melden sollte, die Nummer ist dem Gesprächspartner ja nicht bekannt und (2) das für so Momente Handys nützlich sind, (3) ich aber ansonsten gerade keines brauche, vor allem nicht (4) wenn es viele solche nette Menschen gibt, die einen Mal telefonieren lassen, dann aber wieder, da ich schon länger darauf warte, dass die angerufene Person abnimmt, (5) ob die unbekannte Nummer verunsichert und deswegen nicht abgenommen wird und lache deswegen in mich hinein. Ich leg dann dennoch auf. Keinen erreicht, meint sie lächelnd, und ich sag, ja, wenn er nicht abnehmen will, will er nich und denk mir dabei, ob sich mein Gesprächspartner später, wenn er auf mich wartet, wohl an den verpassten Anruf mit der unbekannten Nummer erinnern wird und schlussfolgert, dass ich mit dem darauf folgenden Zug komme… Andererseits, überlege ich, wie war das noch ohne Handy? Da hatte die Bahn auch Verspätung. Haben die Wartenden stoisch ausgeharrt, bis die erwartete Person ankam? Oder wurde der Ankömmling von einem leeren Bahnhofsgebäude willkommen geheißen? Zu den Zeiten gab es sicherlich ein paar mehr Münztelefone, also konnten die leichthin die Wartenden über ihr Ankommen in Kenntnis setzen und fortan auf die Wartenden warten, die den Wartenden wohl einsammeln würden. So, denke ich mir, werd ich es auch machen. Nur, wo ist da das nächste Münztelefon? Aber ich bekomme schon eine Ahnung. Gut, dass ich schon einmal da war 😛

Die Bahn tuckert weiter – ein anderes Unternehmen, immerhin pünktlicher und meist sogar pünktlicher als pünktlich. Nicht überpünktlich, aber Verspätungen werden reduziert. Danke Abellio Rail 🙂 Ich habe mir überlegt, bis zu meinem Auslandsaufenthalt mal die Verspätungen mit Ursachen zu sammeln und zusammenzurechnen. Wie schon gesagt, ich bin wohl 2%-Fahrer und habe bereits in den letzten 4 Wochen bei drei Fahrten 44 Minuten Verspätung gesammelt. Die Bahn könnte sich da ja eigentlich auch mal n Bonus-Programm überlegen. Mit Minuten-Konto. Dann wird die planmäßige Zeit im Verhältnis zur Verspätungssumme gesetzt. Wie wär’s mit „Geld-Zurück-Option“ und Fahrkarten? Nur so ne Idee…

Wow, ich komme gleich an. Heute also mehrere Momente, in denen ich das Handy „vermisst“ habe. (1) Als ich feststellte, in einem Abteil mit defekter Klima zu sitzen, (2) als es zu Verspätung kam und (3) als ich meinem Abholdienst hätte mitteilten sollen, dass ich verspätet erscheine. Gerade letzterer wiegt schwer. Mal schaun ob mein Chauffeur gewartet hat oder ob ich ne Telefonzelle mit Münzeinwurf suchen muss. Danke nochmal an die junge Dame, die mir ihr Handy geliehen hat und die Jungs für den Spaß! Merci auch an die Bahn… für den heutigen Tag! Zurück vielleicht dann doch mit dem Regio. Der bzw. die fahren insgesamt genauso lange, wie die kack Verbindung heute 🙂 und da funktioniert die Klima einwandfrei.

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