Das merkwürdige Kommunikationsverhalten medienaffiner Groß- und Kleinstädter sowie Dörfler zur besten Sendezeit (ELoH #47-#63)

So, zur Feier des Tages meld ich mich dann doch mal wieder: Seit genau 2 Monaten oder vielmehr 63 Tagen lebe ich ohne Handy! Ein Grund zum Feiern? Ich habe in letzter Zeit jedenfalls nichts dazu geschrieben, weil (1) nichts passiert ist bzw. (2) ich mich nur wiederholen würde, denn (3) ist mich nicht mehr viel Neues aufgefallen. Ich musste gerade sogar intensivst nachzählen, bei welcher Tagesnummer ich mittlerweile angekommen bin! Hat geklappt 🙂

Calling him

(Foto von the Italian voice via Flickr).

In letzter Zeit denke ich kaum noch daran, was ich tun könnte, besäße ich ein Handy. Fantastisch, oder? Ich seh ständig überall Leute mit ihren Handys; Bar, Slider, Klapphandy, Touchscreen mit QWERTZ oder ohne… In manchen Situationen frage ich mich, ob den Leuten bewusst ist, wie sie ihr Handy halten – z. B. wenn ich in der Tram sitze und der Mensch vor mir mir erstmal den Inhalt der SMS präsentieren muss. Über die Schulter wohlgemerkt. Ich les die nicht, dafür hab ich mein Buch dabei oder schaue aus dem Fenster. Da fiel mir letztens ein Mädel an einer Kreuzung auf. Ich dachte erst, sie würde einen Freudentanz aufführen, dann sah es eher nach gewünschten Toillettengang aus und schließlich bemerkte ich das Handy in ihrer Hand, an ihrem Ohr vielmehr. Das erklärte auch die merkwürdigen Armhaltung.  Sie war wohl am schimpfen… Das schließe ich mal aus ihrer Gestik. So ähnlich dann heute auch der junge Mann vor dem Laden Wing Wang. Ein aufklappbares Handy – eins von denen, mit denen ich nicht umgehen kann 😉 Auch er gestikulierte wild auf dem Gehweg mit der freien Hand und schien nicht sonderlich erfreut. Immerhin tanzte er nicht.

Doch genau dieser Umstand, also das man seine Gespräche in der Öffentlichkeit führt, das ist doch ziemlich merkwürdig, oder? Ich erinner mich an meine Telefonate mit meiner Oma, meiner Mutter oder meinem Partner. Das passiert schon mal, dass man angerufen wird oder telefonieren muss, dafür ist so ein Handy ja da. Aber achtet man auch auf das, was man sagt – und vor allem in welcher Umgebung? Ich schätze nein. So kommt es eben zustande, dass Zindy in der Tram Mandy am Handy als Bitch bezeichnet und Bert als schwulen Vaterspasti, der sich verpissen soll. Kann man das vermeiden? Gut, weghören kann man wohl in den meisten Fällen leider schlecht. Wer Zindy nun bittet, leiser zu sprechen, weil das eben kein Schwein interessiere, der kann sich direkt eine Hasstirade anhöhren – oder aber an der nächsten Haltestelle aussteigen. 10 Minuten Wartezeit sind in Bremen ja nichts 😉 Mal im Ernst: Es muss ja nicht jeder wissen, wohin man fährt, wann man da ist, wen man liebt oder beknackt findet. Wir haben doch Zeit. Wie wär’s mit: Du, ich bin grad in der Bahn, ruf mich doch in 5 Minuten nochmal an. Oder: Du, ich bin gleich daheim, ich ruf Dich dann zurück, okay? Oder meine Forderung umsetzen: Nehmt den Kindern die Handys weg 😀 Nein, das mein ich nicht ernst! Aber wie bringt man jemanden bei, dass er/sie sich in einem öffentlichen Raum bewegt? Allerdings finde ich die Stille in der Bahn und der Tram meistens auch tierisch ätzend – aber das ist ein anderes Thema.

Um noch einmal nachzusetzen: Durch die fortschreitende Entwicklung der Smartphones haben wir doch bald unser Wohn- und Arbeitszimmer immer bei uns. Ob im Auto, an der Haltestelle vom Bus oder in der Bahn. Wir sind zu Hause angekommen, sozusagen… Bevor aber nur noch gemailt, gesimst, getwittert oder ähnliche stumme mirco-blogging Dienste genutzt werden, ist mir so eine Zindy in der Tram tausendmal lieber. Und der Bert, ne, das geht ja mal gar nicht 😉

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